Pfarrei Hl. Familie

Die Pfarrei Hl. Familie liegt im St. Wendeler Stadtteil Winterbach.

Seit knapp 70 Jahren lädt das am Rande des Dorfes, im Mecherswald, gelegene „Bildstöckchen“ als Kleinod zur Besinnung ein. Das Bild zu Ehren der Mutter Gottes zieht nach wie vor tagtäglich die Dorfbewohner an. Im Umfeld laden Sitzbänke, die für etwa 30 bis 40 Personen Platz bieten, zum Verweilen oder stillen Gebet ein. An diesen Sitzgelegenheiten hatte mittlerweile der Zahn der Zeit genagt. Durch Witterungseinflüsse bedingt, waren die Hölzer stark in Mitleidenschaft genommen. Schäden wie Fäulnis oder Risse im Holz wurden sichtbar. Schnell fand sich ein kleiner Personenkreis zusammen, der sich auf Wunsch des Pfarrgemeinderates hin, der Renovierung annahm. Da aufgrund der momentanen Corona-Pandemie keine größeren Menschenansammlungen erlaubt sind, und damit auch keine gemeinsamen Gebetsstunden hier stattfinden durften, wurde die Zeit genutzt, ans Werk zu gehen.

Das Arbeitsteam hatte einiges zu tun: Holzfällerarbeiten, Aufräumarbeiten rund um die kleine Kapelle, auch die Bänke davor sollten wieder wetterfest gemacht werden. Alle neun Sitzbänke wurden demontiert und komplett zerlegt. Die Metallarbeit mit den verrosteten Teilen übernahm Hans-Albert Wagner, Aloys Görgen die Anstricharbeiten und Karl-Heinz Riefer, Gerhard Nagel und Gerhard Weiand beschäftigten sich mit dem Abbau, den Hobel-, Schleif- und Putzarbeiten und teilweise Neuanfertigungen der Sitzhölzer und der abschließenden Endmontage. So konnten die „neuen alten“ Holzbänke wieder nach einigen Tagen ihren Platz an dem Kleinod einnehmen. Auch das Umfeld der kleinen Kapelle wurde in Angriff genommen und natürlich unter Beachtung der Pandemievorgaben die Baumpflege vorgenommen. Mit dabei waren hier Fred Riefer, Georgio Piechele, Karl-Heinz Riefer, Gerhard Wälder, Jörg Riefer, Gerhard Nagel und Fabian Altmeier. Um die Pflege und den Blumenschmuck dieses Kleinodes, das nun wieder beste Sitzgelegenheit für die Besucher bietet, kümmert sich die ortsansässige Reinhild Schön. Seit einigen Jahren schon, schaut sie fast täglich nach dem Rechten, säubert die kleine Kapelle, versorgt oder wechselt den Blumenschmuck und stellt neue Kerzenhalter auf. Bedingt durch die Corona-Pandemie haben leider in diesem Jahr keine Mai-Andachten oder Bittprozessionen an diesem stillen Ort stattgefunden, die immer großen Zuspruch gefunden hatten. Umso größer wird die Freude sein, wenn die langjährige Tradition wieder fortgeführt werden kann.

Die Historie des „Winterbacher Bildstöckchens“ besagt folgendes, wie Ortsvorsteher Gerhard Weiand berichtete:  Am 18. März 1945 gab es im Dorf Widerstand gegen den Einzug der amerikanischen Truppen, wobei über 30 Menschen den Tod fanden. Einige Häuser wurden durch Bomben oder Artilleriebeschuss ganz oder teilweise zerstört. Viele Dorfbewohner suchten Zuflucht und Schutz in den drei selbstgebauten Stollenbunkern: in der Seiters, „zwischen den Bergen“- gegenüber der Werkstatt Mohr und vor allem im Girmesberg. Hier war um die Mittagszeit der Bunker so überfüllt, dass aufgrund von Sauerstoffmangel nicht einmal mehr eine Kerze im hinteren Teil des Stollens brannte. In dieser Notstunde gelobten die verängstigten Bürgerinnen und Bürger im Bunker hier eine Gedenk- und Gebetsstätte zu errichten, wenn sie mit dem Leben davon kommen würden. Es hat dann allerdings einige Jahre gedauert, bis diesbezüglich etwas passierte. Eine Gruppe von Schönstattschwestern hatte sich mittlerweile im Ort niedergelassen und sie verstanden es nach und nach das Versprechen der Anwohner für ihre Vorstellungen zu präzisieren: es sollte ein Bildstöckchen errichtet werden mit dem Bild der „dreimal wunderbaren Mutter Gottes von Schönstatt“ und zwar in einem aufgegebenen Steinbruch an der „Alten Straße“ im Mecherswald. Die damalige Jugendgruppe übernahm das Einplanieren des Platzes, Anwohner von der oberen Mecherstsraße, vor allem Albert und Willi Recktenwald, errichteten den Sockel und der Stellmacher Emil Hanke zimmerte das Bildstöckchen aus Eichenholz. Am Fest Peter und Paul 1952 wurde es durch Pastor Matthias Willems und Pater Barbian (SVD), der nach dem Krieg im Pfarrhaus Unterkunft gefunden hatte, eingeweiht. Pater Barbian kümmerte sich um den Aufbau kirchlicher Jugendgruppen nach Kriegsende und behielt diese Funktion auch bei, als er schon längst Hausgeistlicher der Schönstattniederlassung im Kurhaus der Eisenbahner auf dem Harschberger Hof war. Am Anfang waren es noch die Marienschwestern, die im Sommerhalbjahr häufiger Andachten und Feierstunden mit der Jugend am Bildstöckchen veranstalteten. Aber mit dem Amtsantritt von Pastor Karl Behrens im Jahr 1954 wurde die Schwesternstation in Winterbach aufgelöst, bis auf die Krankenschwester, die Angestellte der Zivilgemeinde war.

Die Pflege und der Schmuck des Bildstöckchens übernahmen nun vollends die Frauen der Familie Robert Recktenwald aus der Mechersstraße 34. Vor allem Maria, die jüngste der Schwestern versah täglich diesen Dienst über 40 Jahre hinweg. Sie war es auch, die immer wieder davon träumte, über dem Bildstöckchen (das Bild musste alle paar Jahre wegen Verblassen und Wasserschaden erneuert werden) ein Schutzdach zu errichten, da durch die Witterung der schönste Schmuck oft in kurzer Zeit ramponiert wurde. Aber alle Vorstöße für eine entsprechende Genehmigung wurden als „nicht machbar“ abgewiesen. Als Maria aber 1998 erkrankte, da ließ sie nicht locker, bis über das Kreisbauamt die Genehmigung und die Planung feste Konturen annahmen. Sie durfte es zwar nicht mehr selbst erleben, dass die Genehmigung ausgestellt wurde, verpflichtete  aber ihre Geschwister Rosel, Hilde und Arnold Recktenwald ihr Anliegen mit ihrem mühsam erspartem Geld nach ihrem Tod zu realisieren. Sie selbst führte noch Gespräche mit möglichen Handwerkern, vor allem –mit dem ortsansässigen Allroundhandwerker Oswald Hinsberger, der ihr versprach die bauliche Seite verantwortlich zu übernehmen. Im Jubiläumsjahr 2000, einige Monate nach dem Tod von Maria Recktenwald (27.08.99) konnte dann im April mit den ersten Arbeiten begonnen werden. Dank der Mitarbeit einiger freiwilligen Helfer gingen die Bauarbeiten zügig voran, so dass am Gründonnerstag,   der Zimmermann Rudi Zimmer, Sotzweiler, das Aufmaß für den Dachstuhl nehmen konnte. Aber es dauerte noch mehrere Wochen bis schließlich das Dachgebälk mit der Verschalung errichtet und dann noch einige Monate bis die Eindeckung mit Naturschiefer durch die Firma Flohr, Baumholder durchgeführt wurde. Anfang September waren die Dacharbeiten abgeschlossen und der bewährte Bautrupp, bestehend aus Oswald Hinsberger, Willi Stass, Hermann Krämer und Norbert Haupenthal (alle aus der Straße „Im Tälchen„) und ihrem Transporteur Werner Handle mit seinem Traktor, konnten sich an den Endausbau des „Kapellenbaus“ machen. Bei den Ausschachtungsarbeiten und beim Betonieren der Bodenplatte halfen Patrick und Winfried Hoffmann und Aloys Görgen. Beim Abmontieren des Bildstöckchens vom alten Sockel zeigte es sich, dass der Stamm von unten her gefault war und so musste auch diesbezüglich eine Erneuerung durchgeführt werden. Diese Arbeiten übernahm der Schreinermeister Willi Kuhn mit seinem Helfer Ludwig Lorrang. Anton Horras schnitzte die Inschrift: „Ein Diener Mariens geht niemals verloren“. Da die Baustelle außerhalb des Ortes lag musste mit einem 200 Meter langen Kabel der elektrische Stromanschluss jeden Morgen neu verlegt werden,   Den Stromanschluss ermöglichte Familie Alfred Loch, von ihrem Haus am Rand des Mecherswaldes. Auch Pastor Arnold Recktenwald hatte die Bauarbeiten von Anfang an intensiv und aktiv begleitet.

Foto: Pfarrgemeinderat/Bonenberger

Klausenwallfahrt

Im Jahr 1859 grassierte die Pest in den Nachbardörfern um Winterbach. Da gelobten Winterbacher Bürger, wenn sie von der Pest verschont blieben, alljährlich zu Fuß nach Eberhards-Klausen an der Mosel zu pilgern. Winterbach blieb verschont und so lösen jedes Jahr an Christi Himmelfahrt 70 bis 80 Fußwallfahrer dieses Versprechen ein. (Donnerstags und Freitags je 40 km Fußmarsch mit Rosenkranzgebeten und Liedern; Samstags Pilgermesse)

Selbst in den Kriegszeiten wurde das Versprechen eingelöst; dann waren es kleinere Gruppen oder gar nur eine einzelne Person.

Die diesjährige traditionelle Klausenpilgerung der Winterbacher Wallfahrer fällt aufgrund der Corona-Pandemie aus.